Friends of cicé / AYURVEDA IN DEN ALPEN



Unweit von Kufstein, umgeben von saftigen Wiesen und Bergpanorama, erwartet man eher rustikales Alpenklischee als traditionelle indische Heilkunst. Und tatsächlich war der Sonnhof in Thiersee früher ein einfaches Gasthaus mit Frühschoppen und Stammtisch.Vor 15 Jahren wurde ein ganz neuer Weg eingeschlagen: Seitdem dreht sich hier alles um Ayurveda – und das konsequent und sehr erfolgreich. Lisa Mauracher leitet zusammen mit ihrem Vater und ihrer Schwester den Sonnhof. Sie ist ausgebildete Yoga-Lehrerin und ihr Herz schlägt für Bewusstseinsübungen, Meditation – und für ihre Gäste. Johanna und Bernadette haben mit ihr gesprochen.


Johanna: Ich kenne bisher nur ayurvedische Massagen. Wie würdest du mir Ayurveda in wenigen Sätzen erklären?

Lisa: Ayurveda heißt „das Wissen vom Leben“ und beschreibt eine Lebensweise, die uns unser Potenzial ausschöpfen lässt und Gesundheit und Wohlbefinden bringt. Die Lehre des Ayurveda schaut, welches Element der Mensch in sich trägt und welches Dosha bzw. Konstitutionstyp sich daraus ergibt. Darauf abgestimmt gibt es Wegweiser für Ernährung, Bewegung und geistiges Handeln. Ayurveda ist eine ganzheitliche Naturmedizin, die dafür sorgt, dass man gesund, glücklich und erfüllt ist.


Bernadette: Besonders in stressigen Zeiten fällt es den meisten Menschen schwer, auf sich zu achten. Bei mir kippt dann als erstes der Vorsatz, nicht vor dem Computer zu essen. Was ich mir hingegen immer gönne, sind ein paar Minuten Yoga am Morgen. Wie ist das bei dir?

Lisa: Für mich ist es auch total wichtig, richtig in den Tag zu starten. Ohne meine morgendliche Routine aus Yoga und Meditation bin ich nur ein halber Mensch. Mein Tipp: Sucht euch in der Familie oder im Büro jemanden, der bei solch einer Routine mitmacht, dann fällt es viel leichter dabeizubleiben.


Johanna: Was für Leute kommen zu euch in den Sonnhof? Gibt es eine Art „typischen“ Gast?

Lisa: Es sind grundsätzlich Menschen, die auf der Suche sind, die sich besser kennenlernen wollen oder die sich einfach etwas Gutes tun wollen. Oft ist das Ziel, mehr Klarheit zu finden. Manche Gäste sind krank, andere besuchen uns präventiv oder als jährliches Detoxing. Derzeit sind es mehr Frauen als Männer, aber die Zahl der Männer steigt stetig. Die Alterspanne ist breit: von Anfang 20 bis über 70.


Bernadette: Ayurvedische Kuren, wie die Pancha-Karma-Kur, werden in Indien und Sri Lanka oft recht günstig angeboten. Was spricht für Österreich?

Lisa: Wer nicht nur die Kur durchführen, sondern auch Land und Leute kennenlernen möchte, sollte unbedingt eine solche Ayurveda-Fernreise machen. Exotisches Flair können wir nicht bieten. Dafür aber bessere Hygienestandards, ein für mitteleuropäisches Temperaturempfinden angenehmes Klima und eine vertraute Kultur. Auch die Qualität der Kräuter, Öle und des Essens ist anders. Wir nennen es „European Ayurveda“ – eine Behandlung, die auf Europäer abgestimmt ist. Ein ganz wichtiger Punkt ist auch die Verständigung: Bei einer Pancha-Karma-Kur ist es sehr wichtig, gut mit dem behandelnden Arzt sprechen zu können. Denn es geht hier viel um Emotionen – ein Thema, bei dem es keine Sprachbarrieren geben sollte.


Johanna: Ich bin durch die Doppelbelastung „Beruf und Familie“ manchmal sehr erschöpft, ansonsten aber ziemlich gesund. Würde mir eine Pancha-Karma-Kur trotzdem etwas bringen?

Lisa: Auf jeden Fall, denn die Kur schenkt Klarheit! Gerade wir Frauen können schlecht Nein sagen – im Beruf und in der Familie. Es ist ein Prozess, herauszufinden, was einem selbst guttut, und sich zu fragen: Mache ich das gerade nur, weil es jemand sagt, oder weil ich es will? Man lernt für seine Bedürfnisse einzustehen. Und das wirkt ungemein erleichternd und befreiend!


Bernadette: Eure Zimmer sind Monate im Voraus ausgebucht und viele buchen kurz nach der Abreise schon die nächste Kur. Um Gäste müsst ihr euch also keine Sorgen machen. Was sind eure großen Herausforderungen?

Lisa: Wir wollen unser Niveau und unsere Qualität immer weiter steigern. Außerdem planen wir eine Erweiterung außerhalb des Sonnhofs. Ein ganz neues Projekt, mit einem noch größeren Schwerpunkt auf den Geist. Das sind aber, wie du schon sagst, Herausforderungen, die für mich absolut positiv belegt sind. Ich empfinde meine Arbeit nicht als Stress, sondern liebe es, neue Ideen zu kreieren und unsere Gäste zu betreuen.


Johanna: Was machst du, wenn du dir etwas richtig Gutes tun möchtest?

Lisa: Ganz klar Massagen! Ich liebe die Behandlungen und das warme Öl tut mir wahnsinnig gut. Und ich brauche Yoga – ohne mein Morgenritual starte ich nicht in den Tag. Ich gehe auch sehr gerne gut essen, am liebsten indisch oder italienisch. Und ich liebe es, in die Natur zu gehen. Vieles in der Stadt lenkt den Geist ab. Die Natur hingegen tut einfach nur gut.